Gelenkerhaltende Therapie in der Privatpraxis für regenerative Orthopädie Dr. med. Severin Welter
Einleitung
Dieser Fallbericht beschreibt den Verlauf einer Patientin mit Morbus Ahlbäck, einer spontanen Osteonekrose des Kniegelenks (SONK). Die Erkrankung trat plötzlich und ohne Trauma auf und wurde mittels MRT diagnostiziert. Durch eine konsequente, multimodale, gelenkerhaltende Therapie konnte eine operative Versorgung vermieden werden. Der Fall zeigt, wie effektiv regenerative Orthopädie, fokussierte Stoßwellentherapie (fESWT) und EMTT bei Knochenmarködem und subchondraler Insuffizienzfraktur (SIF) sein können.
Patientin
- weiblich
- 63 Jahre
- akuter atraumatischer Beginn der Beschwerden
- Lokalisation: rechtes Knie, medialer Femurkondylus
Anamnese und Erstvorstellung
Die Patientin berichtete über plötzlich einsetzende starke atraumatische Knieschmerzen. Aus der Dokumentation: „Die Patientin hatte seit Anfang Januar plötzliche Schmerzen im rechten Kniegelenk. Kein Trauma, keine Belastung.“
MRT-Befund vom 02.02.2026
- ausgeprägtes Knochenmarködem
- feine subchondrale Infraktion (SIF)
- beginnende Osteonekrose medialer Femurkondylus
- kräftiges mediales Kapselödem
- Begleiterguss
- Chondropathie Grad III medial, retropatellar kleinflächig Grad IV
Initiale Schmerzintensität: VAS 8–9. Extern wurde bereits eine Knieprothese als mögliche Option diskutiert.
Diagnostik
MRT
Der MRT‑Befund bestätigte eine spontane Osteonekrose des Knies (Morbus Ahlbäck) mit ausgeprägtem Knochenmarködem und subchondraler Insuffizienzfraktur.
Sonografie
- Power‑Doppler‑Nachweis von Neovaskularisationen
- exakte Vermessung des Frakturspalts
Labor / Osteologie
- Knochenstoffwechsel unauffällig
- Vitamin‑D leicht erniedrigt
- keine Indikation für antiresorptive Therapie
Therapie
1. Entlastung und Belastungssteuerung
- vollständige Entlastung an Unterarmgehstützen
- Thromboseprophylaxe
- strukturierter Belastungsaufbau nach ABC‑Schema
- erlaubte Aktivitäten: Aquajogging, Schwimmen, passives Radfahren
Ziel: gelenkerhaltende Therapie, Stabilisierung der SIF, Reduktion des Knochenmarködems.
2. Fokussierte Stoßwellentherapie (fESWT)
- mehrere Sitzungen
- 3.500 Impulse, 0,35 mJ
- Behandlung der funktionellen Muskelketten
- Anwendung nach DIGEST‑Kriterien
Ziel: Aktivierung von Knochenstoffwechsel und Durchblutung.
3. Magnetotransduktions‑Therapie (EMTT)
- 6.000–7.000 Impulse, Frequenz 8, Stärke 8
- insgesamt >10 Sitzungen
Ziel: Unterstützung der Knochenheilung bei Knochenmarködem und subchondraler Fraktur.
4. Orthesenversorgung
- Orthese zur medialen Entlastung
Klinischer Verlauf
| Datum | Klinischer Verlauf / Befund |
|---|---|
| 10.–24. Februar 2026 | Erste deutliche Besserung nach ESWT; „ca. 30 % Besserung nach der ersten Sitzung“; VAS 9 → 5 |
| 03. März 2026 | Deutliche Schmerzreduktion; unter Entlastung VAS 1–2; keine Ruheschmerzen; subjektive Besserung 90 % |
| 17. März 2026 | Schmerzfrei in Ruhe; Fahrradfahren schmerzfrei möglich; Belastungssteigerung nach ABC‑Schema; Besserung 80–90 % |
| 20. März 2026 | Durchschnittsschmerz 2–3; keine Ruhe‑ oder Anlaufschmerzen; Belastungstoleranz <5–15 Minuten; deutliche Erholung nach Ruhe |
| 24. März 2026 | Leichte vorübergehende Verschlechterung nach Überlastung; weiterhin sehr guter Verlauf |
| 27. März 2026 | „Ihr geht’s wieder richtig gut.“ |
Zusammenfassung
Die Patientin zeigte einen ausgezeichneten konservativen Heilungsverlauf einer spontanen Osteonekrose des medialen Femurkondylus. Die Kombination aus:
- konsequenter Entlastung
- strukturiertem Belastungsaufbau
- fokussierter Stoßwellentherapie
- EMTT
- funktioneller Muskelkettenbehandlung
- orthopädischer Versorgung
führte zu einer Schmerzreduktion von ca. 90 % innerhalb weniger Wochen. Eine operative Versorgung ist aktuell nicht indiziert.
Schlussfolgerung
Dieser Fall zeigt, dass eine multimodale regenerative Therapie bei Morbus Ahlbäck im Frühstadium eine wirksame, gelenkerhaltende Alternative zur Knieprothese darstellen kann. Besonders die Kombination aus fESWT und EMTT bietet bei Knochenmarködem und subchondraler Insuffizienzfraktur einen deutlichen therapeutischen Nutzen.
Rechtlicher Hinweis
Die genannten Therapieoptionen stellen kein Heilversprechen dar. Die Informationen ersetzen keinen Arztkontakt und dienen ausschließlich der medizinischen Orientierung.
